Prof. Monika Grütters, MdB,Vorsitzende des Kulturausschusses |
 



   
Interview - 24.10.2007
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Streit um Vertriebenen-Dokumentationszentrum beigelegt

Schon lange gibt es einen Streit darüber, ob in Berlin ein Zentrum gegen Vertreibungen eingerichtet werden soll, das an das Schicksal der deutschen Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten während des Zweiten Weltkrieges erinnert. In Polen stößt diese Idee auf erbitterten Widerstand - hier wird die Darstellung der Deutschen als Opfer als Geschichts- verdrehung verstanden.

Die Hauptbefürworterin eines solchen Zentrums, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, CDU, ist den Polen ein rotes Tuch. Nach dem Wahlsieg des liberalen Oppositionsführers Donald Tusk in Polen hat Erika Steinbach sogleich die Hoffnung geäußert, ihr Projekt nun endlich zu verwirklichen.

Und nun scheint tatsächlich ein Ende des Streites in Sicht - zumindest aus deutscher Sicht. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und Kulturstaatsminister Bernd Neumann haben sich auf ein Konzept geeinigt, wonach ein Dokumentationszentrum in Berlin entstehen soll - unter der Obhut des Deutschen Historischen Museums, untergebracht im Deutschen Haus am Anhalter Bahnhof.

Die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters hat die Einigung zwischen Regierung und Parlament auf ein Dokumentationszentrum für Vertriebene begrüßt.

Audio-Datei im mp3-Format (4:07 min/1.88 MB)

Im Inforadio wies Monika Grütters am Mittwoch (24.10.2007) in Berlin darauf hin, dass das Konzept nicht nur innerhalb der Großen Koalition, sondern auch mit dem Bund der Vertriebenen abgestimmt sei. Auch das Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof als Ort sei Konsens. Der Bund der Vertriebenen sei über Einzelpersonen an der Einigung beteiligt, werde aber als Organisation bei der Umsetzung keine führende Rolle anstreben.

Grütters betonte, bei der Realisierung des Zentrums müsse Vertreibung in ihrem historischen Zusammenhang gesehen werden, nicht isoliert. "Ganz wichtig ist, dass wir nicht Ursache und Wirkung verwechseln, wenn wir als Deutsche über Flucht und Vertreibung nachdenken. Der Zivilisationsbruch des Dritten Reiches bleibt immer die Ursache und wird von niemandem in Frage gestellt."

Das Interview im Wortlaut:

Ute Meyer: Seit Jahren wird diskutiert über das Zentrum für Vertreibung, es hat auch schon mehrere Konzepte dafür gegeben, was ist jetzt das Neue an dem Thierse-Neumann-Konzept?

Monika Grütters: Das Neue daran ist, dass es dieses Konzept einvernehmlich zwischen CDU, SPD und auch dem Bund der Vertriebenen jetzt endlich gibt und dass es Gestalt annimmt, dass bereits für den Haushalt 2008 1,2 Millionen für die Planung vorgesehen sind, dass wir einen Ort gefunden haben - auch der war ein bisschen umstritten, da gab es das Kronprinzenpalais als Idee, aber jetzt ist das Deutschlandhaus als Ort gefunden worden, der ist Konsens und wird angenommen. Neu ist vor allen Dingen auch, dass das 'sichtbare Zeichen' - so heißt es ja auch in der Koalitionsvereinbarung - unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums als unselbständige Stiftung betrieben und realisiert werden soll.

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