Prof. Monika Grütters, MdB,Vorsitzende des Kulturausschusses |
 



   
Interview - 12.05.2008
Drucken

Frauen in der Kulturpolitik

„Belegt ist es nicht, aber überliefert: "Gedöns" soll der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einmal Bildungs-, Familien, Jugend- und Kulturpolitik genannt haben. Tatsache  aber ist: Es gibt in der Kultur mehr Frauen als in anderen politischen Feldern.“ So eröffnete am 12. Mai 2008 die Sendung „Pfingstkultur“ des rbb Inforadios. Laf Überland befragte die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters, zu den Gründen, warum in der Kulturpolitik so häufig Frauen zu finden sind:

Audio-Datei im mp3-Format (07:33 min/7,1 MB)

„Ich glaube wirklich, es hat etwas damit zu tun, dass dieses sehr stark kommunikative Element sowohl eine weiblichen Eigenschaft ist als auch ein typisches Wesensmerkmal von Kultur überhaupt. Es kommt hinzu, dass Frauen eher zugänglicher sind für Künstler und Kreative. Das sind ja häufig schwierige, sehr eigenwillige Charaktere, die in ihrer Eigenart auch angenommen werden wollen. Und Frauen sind da vorbehaltlos offen, ein bisschen neugierig, haben Interesse an so fremden Wesen, anderen Lebensstilen, ungewöhnlichen Lebensentwürfen. Und das ist eine unbedingte Vorraussetzung dafür, gute Kulturpolitik zu machen – dass man mit den Künstlern selber, und nicht nur mit den Institutionen, ein gutes Verhältnis pflegt.“

Zu der Frage, welche Eigenschaften eine gute Kulturpolitikerin ausmachen, antwortete Monika Grütters: „Man muss so etwas wie ein Menschenfreund sein, wenn man gute Kulturpolitik machen möchte, eine ausgeprägt philanthropische Ader haben, sich interessieren für Mitmenschen, die ganz anders sind. Und ich glaube, dass das bei Frauen sehr viel verbreiteter ist. Da gibt es eine größere Offenheit als bei Männern – die haben ein Ziel im Blick, und das verfolgen sie stur und merken vielleicht gar nicht, dass sich links und rechts Mitnahmemöglichkeiten, Erweiterungen ihres Horizonts ergeben hätten, wenn sie nicht ganz so starr auf ihr Ziel geguckt hätten. Frauen gönnen sich eher einen etwas umständlicheren Stil, erreichen aber mindestens genau so viel damit.“

Zum Stellenwert der Kulturpolitik im Vergleich zu anderen Feldern der Politik sagt Monika Grütters ganz offen: „Wir merken das in den Partien immer: Mit Kulturpolitik können Sie in der Regel keine Parteikarriere machen. Sie müssen schon "bedeutend" sein, bevor Sie sich den Luxus gönnen, sich als Politikerin mit Kultur zu befassen.“

   
News-Ticker

Newsletter abonnieren
Bleiben Sie stets auf dem Laufenden!
Ihre E-Mail Adresse:

 
0.37 sec. | 879 Views