Prof. Monika Grütters, MdB,Vorsitzende des Kulturausschusses |
 



   
Interview - 26.03.2010
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Wackelt die dritte Säule? - Deutsche Kultur im Ausland

Am 26. März 2010 sprach der Deutschlandfunk mit seinen Gästen über Auswärtige Kulturpolitik.  Geladen waren Monika Grütters, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, Lukrezia Jochimsen, Sprecherin des Unterausschusses für Auswärtige Kulturpolitik, Ronald Grätz, Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen (IFA) und Prof. Olaf Schwencke, ehemaliger Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft (KuPoGe).

Das gesamte Interview (42:35 Minuten; Audio- Datei) finden Sie hier.

Die Auswärtige Kulturpolitik bildet, gemeinsam mit der politischen und der wirtschaftlichen Dimension, eine der drei Säulen deutscher  Außenpolitik. Sie ist das Fundament für internationale stabile Beziehungen und für gegenseitiges Vertrauen.

Hinsichtlich der Zuständigkeiten erklärte Monika Grütters, dass das Auswärtige Amt grundsätzlich die deutsche Kultur im Ausland verantworte und der Staatsminister für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt nach innen in der Bundesrepublik für die Kultur verantwortlich ist. Er nehme aber mit einzelnen Projektmitteln ebenfalls einige Aufgaben in der Welt wahr. Dadurch würden vor allem sogenannte Mittlerorganisationen, wie z.B. das Goethe-Institut oder der Deutsche Akademische Auslandsdienst, unterstützt. „Wenn man bedenkt, dass wir 135 Goethe-Institute in 91 Ländern haben und knapp 200.000 Menschen im Ausland die deutsche Sprache erlernen, ist das ein sehr beachtlicher Auftritt Deutschlands im Ausland“, machte Monika Grütters deutlich.

In den letzten Jahren wurde eine zunehmende Tendenz zur „Entwestlichung“ der Kultur festgestellt. Das bedeutet die Öffnung nach östlichen Ländern, wie Indien oder China. Ob man darüber die Kern- und Mutterländer des Westens vergessen habe und als neue Marschrichtung eine Europäisierung anzustreben wäre,  wurde in der Runde angeregt diskutiert. Monika Grütters sieht vielmehr das Problem darin, dass es schwer ist, die Frage zu beantworten, worin die gemeinsame europäische Identität bestehe. „Wir sagen immer, in Europa ist die Vielfalt ein Gewinn, aber tatsächlich zu fragen: „Was haben wir gemeinsam?“, das ist im Moment eine heikle Frage“. 

Ronald Grätz gab zu bedenken, dass es interessant und richtig sei, dass sich keine Entsprechung mehr zwischen Staat und Kultur herstellen lasse. „Wir sind in einer Zeit, in der der Kulturbegriff zeitlich begrenzt ist, der sich um Aufgaben oder um Themen gruppiert und nicht mehr national ist. Wir haben nicht mehr eine deutsche Kultur, sondern einen Kulturstaat Deutschland.“, so der Generalsekretär des IFA. Monika Grütters entgegnete, dass sich eine heutige Gesellschaft daran messen lassen müsse, wie sie mit anderen Ethnien im eigenen Land umgehe. „Wir sind ein kosmopolitisches Mosaik kultureller Lebenswelten geworden. Die Überlebensfähigkeit in der globalisierten Welt hängt davon ab, wie sich die einzelnen Gesellschaften nach innen, aber auch nach außen definieren. Gerade die nationale Identität erwächst zuallererst aus dem Kulturleben eines Landes“, sagte Monika Grütters.

Auf den Einwand, es müsse noch eine vierte Säule der Außenpolitik geben, die ausschließlich friedlich orientiert sei, ergreift Monika Grütters für die Kulturpolitik als pazifizierendes Element Partei. „Ich wehre mich immer dagegen, dass die Kultur als Mittel zum Zweck vereinnahmt wird. Aber wenn überhaupt ein friedlicher Impuls, ein Angebot an Toleranz gegeben ist, definiert sich das tatsächlich über die Kultur“, so Monika Grütters.

Für Ronald Grätz stellte sich die Frage, ob Kulturarbeit wirklich Friedensarbeit sei. Kultur habe einen Doppelcharakter, indem Kultur Verursacher mancher Konflikte aber gleichzeitig auch die Lösung für viele Konflikte sei. Er zeigte sich überzeugt, dass Kultur Friedensarbeit sei, da sie den Dialog nutze. Nationale Identität, die in der Kultur grundiert ist, sich aber auch nach Außen öffnet, sei sehr wichtig, erwiderte Monika Grütters. „Wenn man sein eigenes Wertefundament nicht irgendwann verinnerlicht und angenommen hat, kann man es auch nach außen nicht vertreten. Ich denke, dass wir Deutschen gerade nach den Zivilisationsbrüchen unserer eigenen Geschichte mit unserer Kulturpolitik durchaus wieder überzeugend in der Welt ankommen.“

Die Spracharbeit sei dabei ein ganz wichtiger Zweig, machte die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien deutlich.  Deutsch sei die Sprache, die in Europa mit Abstand am Häufigsten muttersprachlich gesprochen werde. „Wir haben eine große Initiative für die Wissenschaftssprache Deutsch aufgelegt, dass zumindest deutsche Wissenschaftler und Germanisten ihre Vorträge auf deutsch halten können. Wenn andere sie nicht verstehen, werden sie übersetzt.“ Die Politik setze daher auf Mehrsprachigkeit, es werde versucht, mit verschiedensten Instrumenten, auch in den anderen Ländern, die deutsche Sprache zu bewahren und zu fördern.

Abschließend zeigte sich die Runde in drei Kernpunkten einig: Eine theoretische „Aufrüstung“ des Kulturbegriffs muss national und international vorangetrieben werden, die Auswärtige Kulturpolitik muss noch mehr internationalisiert werden, und die Repräsentanz der Kulturpolitik in Europa sollte gefördert werden.
 

   
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