Prof. Monika Grütters, MdB,Vorsitzende des Kulturausschusses |
 



   
Interview - 23.11.2010
Drucken
Monika Grütters im Interview mit dem WDR

Am Dienstag, 23. November 2010, war Monika Grütters zu Gast in der WDR-Sendung „eins zu eins“. Im Gespräch mit Moderatorin Anke Plättner diskutierte Monika Grütters unter dem Titel „Geld für Denker oder Banker?“ den Kulturetat des Bundes, aber auch die Probleme vieler Kommunen, ihre kulturellen Angebote weiter zu finanzieren.

Auszüge des Gesprächs werden im Folgenden dokumentiert, das Video des Gesprächs finden Sie hier:

Anke Plättner: Wenn man heute am Reichstag vorbeigeht, dann sieht man sehr starke Sicherheitsvorkehrungen. Wie empfinden Sie das als Abgeordnete?

Monika Grütters: Das ist natürlich eine Last und bedrückt uns schon. Ich hoffe, dass die Terroristen keine Macht über unser Alltagsleben gewinnen, denn dann hätten sie schon gewonnen. Ich denke, wir sollten auf die Warnungen mit Vorsicht, aber auch mit Zuversicht reagieren.

Sie sind Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, wie bewerten Sie denn den Umgang der Medien mit dieser Terrorwarnung?

Ich finde den Umgang immer noch recht besonnen und stelle fest, dass die Medien sich ihrer Verantwortung insgesamt schon bewusst sind. Innenminister de Maizière hat gegenüber den Medien aber auch einen guten Mittelweg zwischen Warnung und Besonnenheit gezeigt, den diese meistens auch entsprechend seriös transportiert haben.



Bei den Verhandlungen über den aktuellen Haushalt, der diese Woche beschlossen wird, gab es dagegen große Kontroversen, und letztlich auch in der Kulturpolitik gekürzt. Was sagen Sie dazu?

Zum Glück gilt die Kultur, was die Mehrheit in unserer Nation angeht, noch immer als etwas, identitätsstiftendes, diese Bedeutung wird anerkannt. Wir haben für den vergleichsweise kleinen Kulturhaushalt noch einmal 27 Millionen projektgebunden draufsatteln können. Aber im Haushalt des Auswärtigen Amts ist im Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik in der Tat eine Menge geopfert worden, was mir persönlich sehr weh getan hat.

Wie wichtig ist es, dass Deutschland im Ausland vor allem auch seine Kultur zeigt und sich damit als Kulturnation versucht zu repräsentieren?

Ich bin überzeugt davon, dass Deutschland seinen Platz unter den Nationen in der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zivilisationsbruch durch die Nationalsozialisten auch durch sein nachhaltiges Engagement in die Kultur wieder erobert hat. Insofern glaube ich, dass unser Engagement in Kunst, in eine ehrliche und transparente Aufarbeitungs – und Gedenkpolitik sowie in die Wissenschaft sich hier sehr ausgezahlt hat.

Es gab ja Streit um die Künstlerakademie in Istanbul, Tarabya. Die sollte geschlossen werden?

Nun, das ist ein 14 Hektar großes Gelände, am Rand Istanbuls und wurde Deutschland vom türkischen Staat Anfang des letzten Jahrhunderts als Sommerresidenz des Deutschen Botschafters geschenkt. Nun sitzt der Botschafter in Ankara und nutzt dieses Gelände nicht als Sommerresidenz. Deshalb haben wir ein großes Gelände mit acht schönen Holzhäusern, die leider derzeit verfallen.

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir diese Liegenschaft mit ihrem großem Potenzial am besten nutzen können. Dabei hat sich die Idee einer Künstlerakademie durchgesetzt, bei der systematisch deutsche sowie türkische Intellektuelle und Künstler in einen regelmäßigen Austausch treten sollen. Denn gerade Künstler und Wissenschaftler wirken in ihren jeweiligen Gesellschaften als Multiplikatoren, die das in Tarabya gewonnene gegenseitige Verständnis dorthin auch transportieren können. Insbesondere vor dem Hintergrund der großen türkischen Minderheit in Deutschland und der immer enger werdenden Beziehungen zur Türkei ist ein solcher Austausch von großer Bedeutung, das zeigen ähnliche Projekte in Italien und den USA, die geholfen haben, die Verhältnisse zu diesen Ländern auf eine ganz neue Grundlage zu stellen.


Seite: 1»2
   
News-Ticker

Newsletter abonnieren
Bleiben Sie stets auf dem Laufenden!
Ihre E-Mail Adresse:

 
0.40 sec. | 418 Views