Prof. Monika Grütters, MdB,Vorsitzende des Kulturausschusses |
 



   
Reisebericht
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Delegationsreise nach New York

Vom 3. bis 6. November 2008 besuchte Monika Grütters im Auftrag des Unterausschusses für Auswärtige Kulturpolitik (UA AKBP) im Deutschen Bundestag das Goethe-Institut (GI) in New York. Der New York – Besuch diente u. a. der Bewertung der dortigen Liegenschaftssituation und der Nutzungsvorstellungen des GI.

Seit einem Jahr beschäftigen Schwierigkeiten mit der Immobilie an der Fifth Avenue das dortige Goethe-Institut. Die Liegenschaft wurde 1961 von der Bundesrepublik Deutschland erworben und ist seither als „Goethe-Haus“ bekannt. Genau gegenüber dem berühmten Metropolitan-Museum gelegen, ist das Institut im Kulturleben New Yorks eine echte Institution geworden. Deutschlands Ansehen in den USA, und insbesondere bei den New Yorkern, hängt nicht unwesentlich von dem sehr hochwertigen und bedeutenden Standort des Goethe-Institutes dort ab.


Das Goethe Haus in der Fifth Avenue.

Im Herbst vergangenen Jahr wurden ernsthafte Sicherheitsmängel hinsichtlich des Brandschutzes festgestellt. Nach den sofort eingeleiteten Bausicherheits- und Brandschutzmaßnahmen wird das Gebäude nun hauptsächlich als Büro- und Bibliotheksgebäude genutzt. Seit Februar 2008 haben die Verantwortlichen des Goethe-Institutes in New York daraufhin ein zweites Gebäude in der Lower East Side, Ludlow Street Nr. 38. gemietet. In den winzigen Räumen dieser Liegenschaft werden sehr eindrucksvoll seither Ausstellungen mit aktueller zeitgenössischer Kunst aus Deutschland gezeigt.


Ludlow Street 38, Raum für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

Wenige Schritte entfernt befindet sich das sogenannte „Wyoming House“. Hier hat das GI einen Kunstraum eröffnet und möchte künftig auch Veranstaltungen durchführen, da das Haus an der Fifth Avenue in seinem jetzigen Zustand dafür nicht länger zur Verfügung steht. Der Standort besitzt hervorragendes Potential, zu einem Treffpunkt für junge aktuelle Kunst und andere Veranstaltungen zu werden, da die gesamte Gegend im Augenblick in New York kulturell „aufgeladen“ ist.
 
Nun muss über die Perspektiven dieser drei Standorte des GI entschieden werden. Die Verantwortlichen des Goethe-Institutes in New York empfehlen, das Gebäude in der Fifth Avenue für die Büroräume, die Bibliothek und die Spracharbeit zu behalten und künftig sogar als Artist-in-Residence-Domizil für Künstlerstipendien weiter zu entwickeln. Das würde die Kosten der  baulichen Herrichtung gegenüber einer intensiven Nutzung als öffentlicher Veranstaltungsort erheblich verringern und zugleich die Arbeit des GI weiterentwickeln.


Das Wyoming Haus - Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Auf mich hat die Idee des Konzeptes mit zwei Standorten in New York einen sehr einleuchtenden Eindruck gemacht. Der Vorschlag, in dem Gebäude an der Fifth Avenue Räume für Künstlerstipendien herzurichten, besitzt gerade in einer Stadt wie New York, für die der Kulturaustausch von großer Bedeutung ist, Zukunftsperspektive. Das Gebäude in der Fifth Avenue gehört der Bundesrepublik Deutschland. Es ganz aufzugeben, würde bedeuten, ein ähnlich großes und bedeutendes Haus an anderer Stelle zu errichten oder zu erwerben. Dass sich das rentabler und erfolgreicher gestaltet, als die einmal eingeführte und sehr hochkarätige Adresse für die Kultur Deutschlands zu erhalten, darf bezweifelt werden. 

Am Beispiel des österreichischen Kulturinstitutes (Austrian Cultural Forum), von einem namhaften österreichischen Architekten entworfen, wird deutlich, in welch einer Konkurrenz und mit welch einem Anspruch Kulturarbeit in New York gerade für Deutschland verbunden ist. Der spektakuläre österreichische Bau an zentraler und prominenter Stelle trägt offensiv das Selbstverständnis der Österreicher als Kulturnation in New York nach außen. Eindrucksvoll ist auch das Netzwerk der österreichischen Kulturarbeit in New York.

Die Bespielung der Adressen an der Lower East Side durch das deutsche Goethe-Institut bringt einleuchtend und konsequent unser kulturelles Selbstverständnis zu Ausdruck. Deutschland zeigt hier, dass es sich nicht alleine in etablierten Kulturkreisen einrichtet, sondern sehr wohl zusätzlich und zeitgleich keine Scheu vor ganz jungen Tendenzen und Zielgruppen entwickelt. Die kleine Galerie in der Ludlow Street erreicht vor allem eine sehr vitale junge Kultur-Zielgruppe in New York.


Monika Grütters mit Gabriele Becher, Leiterin des GI - Insituts New York, Tobias Meuer, Kurator des Angebots in der Ludlow Street sowie Stephan Wackwitz, am GI New York zuständig für Kunst und Literatur.

Mit seiner Präsenz in der zeitgenössischen Kunst an den neuen Adressen im aktuellen Kunstbezirk kann sich Deutschland mit seiner deutschen Kulturarbeit sehen lassen, und das Goethe-Institut mischt sich erfolgreich in die New Yorker Kulturdebatte ein. Ich halte das vorgeschlagene Konzept für überzeugend, weil es beide Elemente des deutschen kulturellen Selbstverständnisses vereint: die Pflege des kulturellen Erbes durch den Standort an der Fifth Avenue und die Avantgarde-Orientierung mit der aktuellen Kunst in Downtown.

New York dürfte einer der bedeutendsten Standorte deutscher auswärtiger Kulturpolitik sein und bleiben. Deshalb hätte gerade hier eine „Bi-Lokalität“ eine große Signalwirkung. Dies sollte nicht nur dem Interesse an Deutschland und seiner Kultur dienen, sondern auch der Begeisterung für unsere Sprache. In Gesprächen mit den Fachleuten vor Ort habe ich erneut erfahren, wie wichtig auch in einem Englisch-sprachigen Land wie den USA die Vermittlung der deutschen Sprache schon im Schulalter ist. Hier liegt ein großer Schwerpunkt auf der Werbung für Deutsch als Schulfach.

   
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