Prof. Monika Grütters, MdB,Vorsitzende des Kulturausschusses |
 



   
Reisebericht
Drucken
Monika Grütters auf Dienstreise in den USA

Vom 29. Januar - 02. Februar 2010 war Monika Grütters in ihrer Funktion als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages auf Dienstreise in den USA. Bei ihrem Besuch in Washington und Princeton widmete sie sich dabei vorrangig dem Besuch deutscher und amerikanischer Kultur-und Bildungsinstitutionen.

Der Bericht der Abgeordneten wird im Folgenden dokumentiert:

Die Dienstreise nach Washington habe ich als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien durchgeführt, um mir einen Eindruck von der Kultur und Bildungspolitik in der amerikanischen Hauptstadt zu verschaffen.

Auch in Bezug auf die Pläne zum Humboldt-Forum in Berlin galt der in Washington geleisteten Museumsarbeit meine besondere Aufmerksamkeit, deshalb standen mit dem „National Museum of the American Indians“ und dem „Newseum“ auch zwei Museen mit unterschiedlichen Ausstellungssystematiken auf dem Reiseplan.

Nach meiner Ankunft in Washington am 29. Januar, nachmittags, wurde ich von Dr. Bertram von Moltke von der Deutschen Botschaft in Washington am Flughafen abgeholt und zum Hotel Hay Adams begleitet.


Das weiße Haus im winterlichen Washington

Am Samstag, den 30. Januar habe ich gemeinsam mit Dr. von Moltke das „National Museum of the American Indians“ besucht, eine Einrichtung, von der ich mir Anregungen auf das Programm des Humboldt-Forums erhoffte. Das „National Museum of the American Indians“ hatte seinen Vorläufer in der berühmten Privatsammlung von George Gustav Heye, der insbesondere Stücke aus der amerikanischen Kulturgeschichte gesammelt hat und diese nun in das „National Museum of the American Indians“ eingebracht hat, wo sie den Hauptbestandteil der dortigen Sammlung bilden.

Im September 2004 ist das Nationalmuseum der Amerikanischen Indianer in der Hauptstadt der USA eröffnet worden. Es ist das größte Museum der Welt für indianische Kulturen und fast zur Hälfte von privater Seite finanziert. Es ist sehr prominent im Regierungsviertel Washingtons platziert und fällt schon allein durch seine Architektur auf. Es befindet sich auf einem zwei Hektar großen Gelände, in der Nähe des Kapitols an der National Mall.
 
Indianische Planer aus verschiedenen "Communities", wie man dort sagt, waren federführend bei der Planung und Ausführung des Gebäudes beteiligt. So ist ein außergewöhnlicher Museumsbau mit einer Fassade aus Natursandstein entstanden. Er weist weder Ecken, noch Kanten auf, stattdessen betonen kurvenreiche Linien den Einklang mit der Natur und erinnern dabei an Felsen, die über Jahrtausende der Wirkung des Windes ausgesetzt waren und die vielen indianischen Stämme früher als Heimstätte gedient haben.


Der Haupteingang des "National Museum of the American Indians"

Das fünfstöckige Museum bietet Raum für Versammlungen, Darbietungen und Theatervorstellungen aber auch Feuerstellen, als traditionelle Orte des „Geschichten Erzählens“, sind Teil des Museumskonzepts. Außerhalb des Gebäudes sind in allen vier Himmelsrichtungen große Steinblöcke aus den verschiedenen indianischen Siedlungsgebieten in Nordamerikas aufgestellt, die die Herkunft und Vielfalt der indianischen Stämme noch einmal eindrucksvoll versinnbildlichen.

Das Zentrum des Museums bildet aber die eigentliche Sammlung, die in der dritten und vierten Etage zur vollen Geltung kommt. In der dritten Etage wird diese wechselvolle, teilweise ja auch bittere Geschichte der Vertreibung der Native Americans aus ihren angestammten Plätzen durch die europäischen Siedler und Einwanderer eindrucksvoll dargestellt und diskutiert.

Dort ist vor allen Dingen die Auseinandersetzung mit der Christianisierung, wie sie von beiden Seiten aus erlebt wurde, spannend. In einem zweiten Schwerpunkt wird demonstriert, wie die Waffen der europäischen Siedler, die den Ureinwohnern unbekannt waren, das Leben innerhalb der indianischen Gemeinschaften verändert haben. So veränderte sich damit die eigentliche Lebensgrundlage vieler indianischer Stämme, die Büffeljagd, von Grund auf. Einen weiteren Schwerpunkt in der dritten Etage nehmen die Auswirkungen der Krankheiten ein, die durch die europäischen Siedler in die Lebensräume der Indianer eingeschleppt wurden und auf die Entwicklung der indianischen Stämme großen Einfluss hatten.

Das Museum ist so gestaltet, dass die einzelnen Stämme, von denen es mehrere Tausend gab, schlaglichtartig in der vierten Etage beleuchtet werden. Eine Auswahl von 24 indianischen Gemeinschaften wird dem Besucher der vierten Etage präsentiert, wobei die repräsentierten Stämme bei der Präsentation ihrer Gemeinschaft maßgeblich beteiligt wurden. Angesichts der Vielzahl der indianischen Stämme hat das Museum eine Art Rotationsprinzip eingerichtet, nach der sich jeder Stamm nur zwischen drei und viere Jahren präsentieren kann, damit im Zeitverlauf alle indianischen Gemeinschaften einmal im „National Museum of the American Indians“ entsprechend gewürdigt werden können.

In der abschließenden Bewertung muss ich feststellen, dass insbesondere die Selbstdarstellung der einzelnen Indianergemeinschaften auf mich eher einen affirmativen Eindruck gemacht hat. Das heißt, die Auseinandersetzung mit der Geschichte und auch der Situation der Vertreibung und der Wiederansiedlung an anderer Stelle oder der Rückbesiedlung ursprünglicher Gebiete durch die Stämme selber, wird nicht kontrovers diskutiert, sondern die Darstellung beschränkt sich auf die sehr konventionelle Präsentation ehemaliger Lebensweisen und heutiger Lebensweisen.

Seite: 1»2»3»4»5
   
News-Ticker

Newsletter abonnieren
Bleiben Sie stets auf dem Laufenden!
Ihre E-Mail Adresse:

 
0.41 sec. | 649 Views