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Theatertipp
 Ariane Mnouchkine: „Les Naufragés du Fol Espoir“

Ariane Mnouchkine erzählt in ihrer Uraufführung  „Les Naufragés du Fol Espoir“ im Théâtre du Soleil die Geschichte von Schiffbrüchigen am Kap Horn. Die Idee zu dieser Produktion gab der  unvollendete Roman „En Magellanie“ von Jules Verne.  Erst sein Sohn vollendete ihn unter dem Titel „Les Naufragés du Jonathan“. Bemerkenswert ist dabei die stilistische Umsetzung durch Mnouchkine. Sie orientiert ihre Inszenierung an den Anfängen des Films und lässt ihre Akteure in Anspielung auf die Zeiten des Stummfilms regelrecht „lautlos“ agieren.


Ariane Mnouchkine (2007).
 
Die Geschichte, die Mnouchkine auf ihre unvergleichliche Art und Weise schildert, beginnt im Sommer 1914: Es ist die Geschichte eines Emigrantenschiffes auf dem Weg nach Australien. Im Bauch des Schiffs hausen die armen Auswanderer, während auf dem Deck der ersten Klasse abenteuerlustige Industrielle wohnen. Einer von ihnen erkauft zum Vergnügen den Umweg am gefährlichen Kap Horn vorbei, dort aber gerät das Schiff in einen Sturm und sinkt. Ein einheimischer Indianer und ein rätselhafter europäischer Zivilisationsflüchtling retten die Schiffsbesatzung auf eine Insel in Patagonien, fernab der Zivilisation und können sich so als unabhängige Inselrepublikaner ansiedeln. Bei  Mnouchkine bedeutet das zugleich die Chance, eine neue Gesellschaft aufzubauen. Auf der patagonischen Insel scheint kurz ein utopischer Staat nach Rousseaus Gesellschaftsvertrag möglich – und ist schon immanent bedroht von Industrie- und Machtphantasien, die Mnouchkine in ihrer Inszenierung durch Anspielungen auf realgeschichtliche Ereignisse immer wieder ins Bewusstsein ruft.

Das Théâtre du Soleil versteht sich als politisch aktives Theater, über dessen Eingang seit Jahr und Tag die berühmte Losung der französischen Revolution prangt: Liberté, Egalité, Fraternité. Mnouchkine will gesellschaftskritisch auf die soziale Wirklichkeit Einfluss nehmen und „die Bedingungen, unter denen wir leben, verändern“, wie sie selbst sagt. Das Théâtre du Soleil ist so zu einem beständig lernenden Organismus geworden, der die Einflüsse und Anregungen seiner Inszenierungspraxis aus allen Ländern und Epochen der Welt gewinnt. Seine französische Regisseurin selbst entstammt etwa einer russischen Emigrantenfamilie und ist schon von Geburt an mit dem Film verbunden, da ihr Vater Filmproduzent und ihr Großvater mütterlicherseits der britische Schauspieler Nicholas Hannen war. 

„Les Naufragés du Fol Espoir“ ist wie viele andere Stücke im Théâtre du Soleil der Utopie einer besseren Gesellschaft gewidmet. Wo andere Inszenierungen dieses Thema aber nur schwerfällig und belehrend bespielen, da schafft es Mnouchkine diesmal, Leichtfüßigkeit, Heiterkeit, Witz und auch Trauer miteinander zu vereinen. So ist es verdient, dass Mnouchkine und ihr in Hochform agierendes Ensemble in Paris regelmäßig große Ovationen des Publikums ernten, haben sie es doch vorher über 4 Stunden lang verzaubert
   
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