Ausstellung „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ im DHM

Mit der Ausstellung „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ öffnete das Deutsche Historische Museum nach Corona-bedingter Schließung am 11. Mai 2020 wieder seine Pforten.
Monika Grütters besuchte die Hannah Arendt-Ausstellung und informierte sich gleichzeitig bei Museumsdirektor Raphael Gross und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Maßnahmen, die für einen pandemie-gerechten Wiederbeginn des Museums- und Ausstellungbetriebs ergriffen wurden.

Monika Grütters betont:
„Es ist eine gute Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, dass Museen und Ausstellungen jetzt unter Einhaltung der notwendigen Hygiene-Vorschriften wieder öffnen. Dem Deutschen Historischen Museum danke ich für den Mut, so ein Ereignis wie die großartige Hannah Arendt-Ausstellung als Neustart nach dem Corona-Lockdown anzubieten. Nach meinem Eindruck wird im DHM sehr verantwortungsvoll und umsichtig auf die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie reagiert. So können und müssen wir es wagen.
Hannah Arendt war zeitlebens eine streitbare Frau und Intellektuelle, die auch Kontroversen aushielt. Eine Krise wie die derzeitige zwingt auch uns, Denkmuster in Frage zu stellen. Auch deshalb ist eine Ausstellung wie diejenige des DHM über Hannah Arendt gerade jetzt wegweisend.“

Im Spiegel von Leben und Werk der großen Philosophin zeigt die Ausstellung zentrale Ereignisse und Debatten des 20. Jahrhunderts. Sie ermöglicht es, einem subjektiven Blick auf das 20. Jahrhundert zu folgen und ein Leben – und Werk – kennenzulernen, in dem sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt: Totalitarismus, Antisemitismus, die Lage von Flüchtlingen, der Eichmann-Prozess, der Zionismus, das politische System und die Rassentrennung in den USA, Studentenproteste und Feminismus. Zu all diesen Themen äußerte Arendt dezidierte Meinungen und Urteile, die noch heute voller Sprengkraft sind.
Hannah Arendt beschwor die Bedeutung eines eigenständigen Urteilsvermögens. Sie forderte ein "Denken ohne Geländer", um gegen Wiederholungen der Geschichte gewappnet zu sein.

Als Jüdin erlitt Hannah Arendt Entrechtung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Dass selbst Freunde und große Denker wie ihr Lehrer Martin Heidegger das menschenverachtende System mittrugen, erschütterte sie zutiefst. Arendt emigrierte zunächst nach Paris und später in die USA, wo sie für verschiedene jüdische Zeitschriften schrieb und als Professorin lehrte.

Die Ausstellung "Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert" folgt entlang 16 zeithistorischer Themenpunkte Arendts kritischem Blick, lässt aber auch vielfältige andere Sichtweisen zu Wort kommen. 300 Objekte - Briefe, Fotografien und persönliche Gegenstände wie beispielsweise eine Aktentasche, ein Pelzponcho oder ihre Minox-Kamera – zeigen, wie sie dachte, lebte und die Welt sah. Sie zeichnen das Portrait einer beeindruckenden Persönlichkeit und entfalten ein lebendiges Panorama einer bewegten Zeit.

Seit dem geplanten Eröffnungstermin (26. März 2020) ist die Ausstellung mit einer kommentierten Bildergalerie in deutscher und englischer Sprache auf der Website des DHM präsent. Als "follow online"-Angebot geben ausgewählte Hörcollagen mit Stimmen von Hannah Arendt und Zeitgenossen spannende Einblicke in immer noch aktuelle Debatten.

Alle Informationen rund um einen Besuch im Deutschen Historischen Museum finden Sie hier: www.dhm.de/besuch-service.html